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Klartext Newsletter Ausgabe 12/1

Das kleine Einmaleins der Bauphysik

Wärmedämmung ist in aller Munde. Für ein wenig Aufmerksamkeit innerhalb der Medienflut schrecken viele Berichterstatter nicht davor zurück, polemische und sogar unwahre Aussagen über die bauphysikalischen Hintergründe zu treffen. Wer aber entlarvt die Aussagen als falsch?


Bild: Bauphysik

Selbstverständlich kann man von Immobilienbesitzern und Mietern kaum erwarten, dass sie sich mit bauphysikalischen Zusammenhängen im Detail auskennen. Gerade deshalb ist es sinnvoll, relevante Grundlagen der Bauphysik einmal in verständlicher Art und Weise aufzuarbeiten.


Was ist Bauphysik? – eine Definition

Der Begriff Bauphysik umfasst alle physikalischen Effekte, die am und im Bau auftreten können – bei dieser weit gefassten Definition ist eine pragmatische Beschränkung unverzichtbar. Der Fokus liegt im Folgenden auf den Gebieten Temperatur und Feuchtigkeit. Wichtig ist darüber hinaus die Differenzierung zwischen einer zeitunabhängigen Betrachtung (man spricht vom „stationären Zustand“) und einer zeitabhängigen Betrachtung (in einem Umfeld, das sich verändert, z. B. mit Temperaturschwankungen in den naturgegebenen Tages- und Nachtzyklen).


Wärme in der Wand – Betrachtung im stationären Zustand

Grundsätzlich gilt: Wärme wandert, sofern sie innerhalb einer Wand auf keinen Widerstand trifft, immer von der warmen zur kalten Seite. Meist bedeutet das in unseren Breitengraden von innen nach außen. Um die Raumtemperatur auf angenehmem Niveau zu halten, wird geheizt. Je größer der „Widerstand“ der Gebäudehülle, also je besser sie gedämmt ist, desto geringer sind natürlich die Wärmeverluste und dementsprechend die aufzuwendende Heizenergie.


Lambda, W/mK, U-Wert… – Wer blickt da durch?

Alles halb so schwer: Lambda (λ) bezeichnet die Wärmeleitfähigkeit eines Dämmstoffs, gemessen mit der Einheit W/mK. Je niedriger der Wert, desto besser die Dämmleistung. Styropor erreicht Werte von 0,032 W/mK und weniger. Da es sich um eine Stoffeigenschaft handelt, hängt dieser Wert nicht von weiteren Parametern ab. Anders der sogenannte U-Wert. Er gibt den Wärmewiderstand eines gesamten Wandaufbaus an und berücksichtigt neben der Dicke einzelner Bau- und Dämmstoffe auch den Wärmeübergangswiderstand an den Außen- und Innenseiten des Wandaufbaus.


Feuchtigkeit in der Wand – ein normaler Vorgang

In jedem Raum ist ein gewisser Anteil an Feuchtigkeit vorhanden. Diese wandert, genau wie Wärme, in der Regel von innen nach außen. Wie viel Feuchtigkeit die Luft aufnehmen kann, hängt von der Temperatur ab: Je wärmer es ist, desto mehr Wasserdampf kann sie halten. Wird die Luft herunter gekühlt, kondensiert sie – genau wie sich im Sommer an einer kalten Getränkedose Wassertropfen bilden. Man spricht hier auch von „ausfällen“. Die Temperatur der Dose liegt unter dem Taupunkt des Luft-Wasserdampfgemisches. Ebenso verhält es sich in der Wand: Bei einer bestimmten Temperatur innerhalb der Wand fällt die Feuchtigkeit aus, die auch dort als Wasserdampf vorhanden ist. Das kondensierte Wasser sammelt sich und wandert z. B. über kapillare Effekte weiter.

Grundsätzlich sind normale Außenwände relativ undurchlässig gegenüber Feuchtigkeitsdiffusion, wobei der Dämmstoff in der Regel das diffusionsoffenste Material ist. Natürlich sollen Gebäude luftdicht sein, damit man sie überhaupt sinnvoll erwärmen kann. Feuchte Luft muss also über konsequentes Lüften abgeführt werden. Im Normalfall wird also wenig Feuchtigkeit durch die Wand diffundieren, sodass die Mengen, die am Taupunkt überhaupt anfallen, gering sind und keinerlei Schaden verursachen. Darüber hinaus gibt es heutzutage vor allem für Innendämmungen unterstützende Maßnahmen, zum Beispiel eine diffusionshemmende Dampfbremse. An oberster Stelle steht aber selbstverständlich eine fachgerechte, sorgfältige Bauausführung.


Vergleich unterschiedlicher Temperaturprofile

Un-, außen- und innengedämmte Wände verfügen über unterschiedliche Temperaturprofile. Wie bereits erwähnt, wandern warme Luft und mit ihr die Feuchtigkeit von innen nach außen. Je weiter außen der Taupunkt in einer Wand liegt, desto weniger kritisch ist eine Bauweise. Während bei einer Innendämmung der Taupunkt nahe an der Schnittstelle zwischen Dämmung und Mauerwerk liegt (also tief in der Wand), liegt er bei einer Außendämmung weiter außen. Gerade deshalb kommt es bei einer Innendämmung umso mehr auf eine sachgerechte Verarbeitung an, um Schäden auszuschließen.


Betrachtung im zeitlichen Kontext

Komplizierter wird es, wenn die Temperatur- und Feuchtigkeitsprofile im Kontext der Tages- und Nachtschwankungen betrachtet werden. Dabei spielt vor allem das Wärmespeichervermögen eine Rolle. Zumindest theoretisch. Häufig wird nämlich gerade diese Eigenschaft als marketingtechnischer Vorteil hervorgehoben: Durch die höhere Wärmespeicherung entstünden beim sommerlichen Hitzeschutz entscheidende Vorteile. Man kann die Rahmenbedingungen in Computermodellen durchaus so einstellen. In der Praxis müssten sich jedoch während der Nacht die Temperaturen so stark abkühlen, dass die am Tag gespeicherte Wärme wieder abgegeben werden kann. Wenn aber z. B. von innen gekühlt wird, kann sich der Effekt schnell ins Gegenteil umkehren.


Fazit: Wer dämmen will, muss informiert sein

Mit diesen Grundlagen kann nun jeder Dämminteressierte ohne Schwierigkeiten wahre und falsche Aussagen in den Medien voneinander unterscheiden. Klar wird vor allem, dass Schimmelbildung nur dann zu einem Problem wird, wenn die Dämmung nicht sorgfältig und fachgerecht verarbeitet wurde. Wenden Sie sich also unbedingt an einen qualifizierten Berater oder Planer, der Ihnen beim Dämmen zur Seite steht.


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